Die therapeutische Hypnose ist seit 2006 in Deutschland ein anerkanntes Therapieverfahren. Dennoch herrscht immer noch die Annahme vor, dass der Patient sich während der Behandlung in einem Zustand der Bewusstlosigkeit und Willenlosigkeit befindet und vom Hypnose-Therapeuten durch suggestive Aussagen quasi manipuliert wird. In der heutigen klinischen Hypnose jedoch wird der Klient in einen leichten bis mittleren Trancezustand versetzt, in dem er jederzeit „Herr“ der Situation ist und die Hypnose zu jedem Zeitpunkt unterbrechen kann. Außerdem ist der Klient aktiv am therapeutischen Prozess beteiligt.

Nachfolgend sollen hierzu noch weitere wissenswerte Details aufgezeigt werden.

Bewusstsein versus Unterbewusstsein

Das Bewusstsein ermöglicht dem Menschen das logische und analytische Denken. Auch die Willenskraft geht vom Bewusstsein aus – so ist es dem Einzelnen möglich, sich konkrete und für seine psychische und physische Gesundheit förderliche Ziele zu setzen. Doch nicht immer ist der Weg erfolgreich und das Scheitern häufig vorprogrammiert. Warum ist dem so? Hier kommt das Unterbewusstsein ins Spiel, denn nur 10 bis 20 Prozent der menschlichen Gedanken und Handlungen werden vom Bewusstsein gesteuert, 80 bis 90 Prozent sind dagegen vom Unterbewusstsein geleitet.

Dies kann dazu führen, dass ein Klient sich z.B. Ziel A gesetzt hat und dennoch immer wieder unglücklich bei B landet. Der Grund dafür ist, dass in unserem Unterbewusstsein Gewohnheiten, typische Verhaltensweisen und Glaubenssätze abgespeichert sind, die zum großen Teil aus der frühen Kindheit stammen – positive wie negative.

Daraus entstehen dann in konkreten Lebenssituationen immer wiederkehrende Gedanken, die mit entsprechenden Emotionen wie Wut, Ärger, Zorn, Liebe, Freude, Trauer oder Angst verbunden sind. Diese Gefühlszustände werden auch auf der körperlichen Ebene erlebt und können das vegetative Nervensystem, Herz und Kreislauf sowie das Verdauungssystem in Mitleidenschaft ziehen. Körperliche Beschwerden können die Folge sein. Hier kann die Hypnosetherapie helfend eingreifen, indem sie sich dem kritischen Faktor oder auch dem kritischen Teil des Bewusstseins widmet.

Der kritische Faktor befindet sich sozusagen auf dem schmalen Grat vom Bewusstsein zum Unterbewusstsein. lhm kommt eine Art Kontrollfunktion für alle Informationen und Sinneseindrucke (Hören, Fühlen, Sehen, Riechen und Schmecken) zu, die bereits im menschlichen Unterbewusstsein abgelegt und verknüpft sind. Stimmen nun neu eingehende Informationen oder Sinneseindrücke nicht mit den im Unterbewußtsein abgespeicherten Glaubenssätzen überein, weist der kritische Faktor diese Information rigoros ab.

Ein Beispiel soll das oben Angeführte verdeutlichen: Ein Proband, der das Rauchen aufgeben möchte, weiß, dass es sich um ein gesundheitsschädliches Tun handelt. Im Unterbewusstsein ist jedoch der Tabakkonsum nicht mit der Botschaft verknüpft „Ich schade meiner Gesundheit“, sondern mit dem Glaubenssatz „Eine Zigarette zu rauchen, gibt mir Entspannung und reduziert Stress.“ Es muss also im Unterbewusstsein eine neue Verknüpfung geschaffen werden, um den Vorsatz, mit dem Rauchen aufzuhören auch wirklich in die Tat umzusetzen.

Und genau hier kann die Hypnose den sprichwörtlichen Schalter umlegen oder, um den amerikanischen Hypnotiseur Dave Elman zu zitieren: „Hypnose ist das Umgehen des kritischen Faktors, um akzeptierendes Denken zu etablieren“.

Unerlässlich für den Erfolg der Hypnosetherapie ist ein ausführliches und intensives Erstgespräch. Dabei spielen Empathie und Wertschätzung des Therapeuten seinen Klienten gegenüber eine große Rolle, um eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.

Während der medizinischen Hypnose ist der Patient – wie bereits oben erwähnt – nicht bewusstlos, sondern behält während des leichten oder mittleren Trancezustands die vollständige Kontrolle. Bei der hypnotischen Behandlung greift der Therapeut die Wünsche und Bedürfnisse seines Klienten auf und übersetzt sie gemeinsam mit ihm in wirkungsvolle Formeln und Bilder, die das Unterbewusste aufnimmt. Auf diese Weise werden Glaubenssätze im Unterbewußtsein des Patienten neu geschrieben und gespeichert.

Anwendungsbereiche:

AD(H)S bei Kindern, Ängste & Phobien, Allergien, Bewegungsstörungen (Muskelschmerzen, Hexenschuss etc.), leichte Depressionen, Essstörungen, Raucherentwöhnung Gewichtsreduktion, Stressbewältigung oder z.B. Tinnitus, Migräne

Zusammengefasst: 

Die Hypnosetherapie versteht sich als ein psychotherapeutisches Kurzzeitverfahren (5 bis 25 Sitzungen), das den veränderten Bewusstseinszustand dazu nutzt, problematisches Verhalten, problematische Kognitionen und affektive Muster zu ändern, emotional belastende Ereignisse und Empfindungen zu restrukturieren und biologische Veränderungen für Heilungsprozesse zu fördern.