Aus dem ersten „Bericht zur psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Bayern“ geht hervor, dass im zweiten Halbjahr 2014 in Bayern bei 470.000 Kindern und Jugendlichen in Bayern die Diagnose einer psychischen Störung, zu denen auch die Entwicklungsstörungen zählen, vorlag.

Nachfolgend soll näher erläutert werden, warum die sanfte Hypnose-Therapie bei Kindern und Jugendlichen eine hilfreiche Unterstützung sein kann.

Häufige psychische Störungen bei Kindern

Wie oben bereits angeführt, leiden ca. ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Bayern unter einer psychischen Störung bzw. unter Entwicklungsstörungen. Dem „Bericht zur psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Bayern“ ist ferner zu entnehmen, dass Entwicklungsstörungen vor allem bei Klein- und Vorschulkindern diagnostiziert werden. Verhaltensstörungen sowie emotionale Störungen hingegen treten verstärkt im Alter zwischen 7 und 14 Jahren auf – die am häufigste gestellte Diagnose (ca. 50 % in dieser Altersgruppe) ist die  Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktionsstörung (ADHS). Bei Jugendlichen zwischen 15 und 17 kommen verstärkt auch Depressionen ins Spiel.

Weitere relevante Störungen bei Kindern und Jugendlichen können unter anderem sein:

      • Angststörungen
      • psychische Probleme nach akuten, chronischen oder immer wiederkehrenden Belastungen oder traumatischen Ereignissen
      • Bindungsstörungen, z.B. Trennungsangst, krankhaftes Klammern
      • Essstörungen,
      • Schlafstörungen
      • selbstverletzendes Verhalten und Bewegungsstörungen
      • Sozialphobien
      • Somatisierungsstörungen
      • Stottern
      • Störungen des Sozialverhalten
      • Störungen der Impulskontrolle
      • Teilleistungsschwäche

Wann und Warum die Hypnose-Therapie bei Kindern und Jugendlichen hilfreich sein kann

Vorausgesetzt, das Konzentrationsvermögen ist ausreichend entwickelt und es liegen keine schweren Beeinträchtigungen vor, können Kinder ca. ab dem sechsten Lebensjahr ausgesprochen positiv auf Hypnose reagieren. Warum ist dem so?

Dazu ein kleiner Exkurs in den Bereich Gehirnwellen:

Abhängig davon, in welchem Zustand sich ein Mensch befindet – ob  wach, entspannt oder im Tiefschlaf befindlich, schwingen die Gehirnwellen in verschiedenen Frequenzen.

Durch die Stimulation der sog. Gehirnwellen kann z.B. ein entspannter Zustand herbeigeführt werden. Mittels eines Elektroenzephalograms (EEG) können diese Gehirnwellen gemessen und graphisch dargestellt werden.

Man unterscheidet zwischen folgenden Gehirnwellen-Aktivitäten:

Beta-Wellen: Die schnellsten Gehirnwellen, die einen Frequenzbereich von 14 bis weit über 100 Hertz (Hz) umfassen, die einerseits für einen wachen, konzentrierten Zustand stehen, aber auch für innere Unruhe, Stress und Ängste. 

Alpha-Wellen: Umfassen einen Frequenzbereich von 8 bis 13 Hz. Alpha-Wellen treten in einem entspannten, ruhigen und wohligen Zustand auf. Psychisch gesunde Menschen ohne zu viel Stress produzieren eine Vielzahl von Alpha-Aktivitäten. Der Alpha-Zustand ist u.a. optimal die Aufnahme von neuen Informationen und steht auch für Kreativität.

Theta-Wellen: Umfassen einen Frequenzbereich von 4 bis 8 Hz. Hier gleitet man aus einem entspannten Zustand  in die Schläfrigkeit. Es ist eine Art „Dämmerzustand“ zwischen Wachen und Schlafen und wird häufig von traumartigen Bildern begleitet. Der Theta-Zustand begünstigt ebenso freie Assoziationen und kreative Ideen.

Delta-Wellen: Diese liegen in einem Frequenzbereich von unter 4 Hz und dominieren den Schlaf, vorzugsweise die Tiefschlafphase. In diesem Zustand wird eine hohe Anzahl von heilenden Wachstumshormonen ausgeschüttet , die die Fähigkeit zur Selbstregeneration fördern.

Wirksamkeit von Hypnose bei Kindern und Jugendlichen

Während der normalen Verarbeitungsprozesse des Gehirns wechseln die EEG-Schwingungen

bei Erwachsenen zwischen allen Frequenzen. Bei Kindern jedoch entwickeln sich die verschiedenen Frequenzbereiche und die damit verbundenen Bewusstseinszustände im Laufe der Jahre erst  nacheinander und stufenweise.

In den ersten beiden Lebensjahren findet die Gehirnaktivität von Kindern überwiegend im Delta-Bereich statt, bei 2 bis 6-jährigen Kindern bewegt sie sich hauptsächlich im Theta-Bereich. Kinder in dieser Entwicklungsstufe befinden sich demnach „zwischen den Welten von Realität und Traum“. Ab dem 6. Lebensjahr entwickeln sich der Frequenzen der bewussten Informationsverarbeitung. Diese Entwicklung ist dann mit ca. 12 Jahren abgeschlossen.

Zusammengefasst bedeutet dies, dass nahezu alles, was Kinder wahrnehmen, direkt in ihr Unterbewusstes gelangt. Sie befinden sich in einem Zustand, der bei Erwachsenen (meist im Alpha-Zustand) erst herbeigeführt werden muss. Durch diese besondere Aufnahmefähigkeit können negative Denkmuster durch positive Botschaften im kindlichen Unterbewusstsein ersetzt, die Selbstheilungskräfte aktiviert und Ängste deutlich reduziert werden.

Sehr gute Wirkungen kann die Hypnose-Therapie u.a. bei folgenden Diagnosen erzielen:

  • Ängste
  • leichte Depressionen
  • Zwangsstörungen
  • Leistungshemmungen und Prüfungsangst
  • Essstörungen
  • Psychosomatische Störungen
  • Mobbing

An dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden, dass die Qualität der Hypnose-Therapie von entscheidender Bedeutung ist – nicht nur in der Hypnose-Behandlung von Kindern und Jugendlichen –  ist. Rein suggestive Behandlungsverfahren haben häufig „überdeckende Wirkung“, die einen eher geringen Heilerfolg haben, der häufig auch nur von kurzer Dauer ist.

Qualität der Hypnose-Behandlung

Um nachhaltige und echte Veränderungen zu erzielen, ist es wichtig, die für die Störung verantwortlichen Ursachen aufzudecken und aufzulösen. Dieser Ansatz in der Hypnose-Therapie kann  in relativ kurzer Zeit zu erstaunlichen Fortschritten führen.

Hier können z.B. Fachverbände Eltern und Kinder dabei unterstützen, gemeinsam die bestmögliche Wahl zu treffen.

Anwesenheit bzw. Einverständnis der Erziehungsberechtigten

Bei der Hypnose-Behandlung von Kindern und Jugendlichen gilt es auch, rechtliche Aspekte zu beachten. Anzusprechen wären hier u.a. die Einwilligung der Eltern zur Behandlung, aber es ist z.B.  auch die Frage zu klären, ob die Erziehungsberechtigten während der Behandlung anwesend sein können.

Intensive und vertrauensvolle Vorgespräche mit dem behandelnden Arzt oder Heilpraktiker können hier Klarheit schaffen.

Unabdingbar für den Behandlungserfolg ist jedoch der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen allen Beteiligten.

Zusammengefasst:

Nicht nur in Bayern, sondern auch bundesweit steigt die Anzahl der psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen. In ganz Deutschland werden bei jedem fünften Kind Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsstörungen u.ä. diagnostiziert. Da die verschiedenen Bewusstseinszustände sich bei Kindern nacheinander und stufenweise entwickeln, kann die Hypnose-Therapie bei einigen Diagnosen gute Heilerfolge erzielen.